Coche Paradise
Freitag, Dezember 14th, 2007Isla Coche, Venezuela
3 von 5 Punkten
Coche Paradise ist eine Hotelanlage auf der Isla Coche, Venezuela, südliche Karibik.
Die beste Ehefrau von allen und ich hatten, ganz gegen unsere Gewohnheit, einen All-inclusive-Pauschalurlaub im Coche Paradise gebucht. Wir wollten es gerne einmal richtig warm, mit warmem Badewasser, Gelegenheit zum Schnorcheln, und ansonsten einen richtig faulen Urlaub, bei dem man sich um nichts kümmern muß. Ruhig sollte es sein, und gar nicht unbedingt kinderfreundlich.
Es wurde dann nicht in allen Punkten so, wie wir uns es vorgestellt hatten, aber das lag in wiederum nicht allen Punkten an Coche Paradise.
Die Anreise zu Coche Paradise ist ein wenig umständlich. Zuerst fliegt man zur deutlich größeren und bekannteren Nachbarinsel Isla Margarita. Vom Flughafen fährt man mit dem Taxi zum Hotel El Yaque Paradise, einem Schwesterhotel von Coche Paradise. Hier erkundigt man sich, wann ein Boot zur Isla Coche fährt – es gibt einen Schnellbootservice zwischen den beiden Hotels.
Vor El Yaque Paradise wartet man auf einen offenen Bus, der einen zum Strand bringt. Wenn der Bus da ist, und der Fahrer auch, und der Fahrer den Bus mit einem Schraubenzieher (oh ja!) gestartet hat, geht es los zum Strand. Das sind nur ein paar hundert Meter, aber mit Gepäck möchte man die in der prallen karibischen Sonne nicht zu Fuß gehen. Und außerdem braucht man ja auch das Boot, und wenn das Boot kommt, fährt auch der Bus.
Die Boote, die zwischen El Yaque Paradise und Coche Paradise fahren, sind nicht unbedingt elegant zu nennen. Zum Ausgleich dafür sind sie ausgesprochen gut motorisiert, typischerweise mit zwei Außenbordmotoren mit je 200 PS. Die Schnellboote tragen diese Bezeichnung also nicht zu unrecht, oh nein! Wenn der Fahrer richtig Gas gibt, und das tun er, geht es ordentlich voran, das Boot steht steil im Wasser. Da dieses zwischen den Inseln durchaus seine Wellen hat, spritzt es ganz ordentlich, aber das meiste wird von der zeltplanenartigen Verkleidung abgehalten. Gut durchgeschaukelt und nicht immer ganz trocken kommt man nach etwa 20 Minuten Fahrt auf Coche an, am Strand direkt vor dem Coche Paradise.
Die Hotelanlage selbst erscheint als eine locker gegliederte Ansammlung von Hütten mit einem zentralen Bereich, der aus Anmeldung, Bar und Essensbereich besteht. Das ganze ist eingebettet in eine grüne Landschaft aus Grasflächen, Palmen, Strauchhecken, und Blumenbeeten. Später wird einem auffallen, daß Coche eigentlich sehr karg ist, und daß diese grüne Landschaft sehr künstlich ist und mit dem Einsatz von viel Wasser und vielen Gärtnern aufrechterhalten wird.
Nichtsdestoweniger ist sie schön und gelungen gestaltet, diese grüne Landschaft. In ihr halten sich – ebenso nur durch menschlichen Einfluß, nehme ich an – viele Tiere auf, Papageien, Kakadus, Leguane, Esel, Hunde, Katzen. Na gut, die Hunde und Katzen halten sich vermutlich von allein.
Besonders die Vögel geben Coche Paradise eine angenehme Atmosphäre. Nicht, daß sie nie stören, nein, es ist erstaunlich, welches Getöse Papageien und vor allem die Kakadus veranstalten können! Das tun sie mit Vorliebe morgens, nicht zu spät. Auch muß man immer wieder seine Mahlzeiten vor den ausgesprochen frechen Papageien verteidigen. Aber sie geben dem ganzen das tropische Flair, daß man ja schließlich gesucht hat. Die Esel nicht ganz so, sie äsen morgens meistens (wenn auch nicht immer, Stichwort rostige Gießkanne) ruhig zwischen den Hütten und verziehen sich in der Tageshitze an einen unbekannten Ort. Manchmal muß einer aus dem Barbereich vertrieben werden. Das geht offensichtlich am besten, wenn man mit einem Kochlöffel auf einen Blecheimer trommelt und ein Haufen Gäste schmunzelnd drumherumsteht.
Der Barbereich ist die Bar selbst, natürlich (siehe Bild), und eine große Terrasse mit Tischen und Stühlen, eher schmucklos, das ganze im Halbschatten von Palmen. Hier finden sich teils tagsüber, aber vor allem abends die Gäste ein zum Sitzen, Trinken, Reden… Die meistgenommenen Getränke sind Cubra Libre (auch profan als Cola-Rum bekannt, nicht so mein Fall), Piña Colada (schon besser) und das venezolanische Bier, “Polar Ice”. Das ist erstaunlich gut, es geht stark in die Richtung der mexikanischen Biere, Corona und Sol und so.
Nur auf den ersten Blick erstaunlich ist, daß es dieses Bier nur in Viertelliterflaschen gibt. Die sind natürlich mit zweimal tief atmen leer, und man muß schon wieder zur Bar. Später verstehen wir, daß das so schon in Ordnung ist, denn wenn das Bier länger in der Flasche bleibt, wird es bei der Hitze schnell warm.
Ach ja, die Hitze. Sie existiert real und ist nur mit ausreichender Getränkezufuhr zu bekämpfen. Das muessen natürlich nicht zwingend alkoholische Getränke sein, aber dieses Bier ist schon nett, so schön leicht und lecker und gut gegen den Durst.
Die Hitze wäre wirklich störend ohne den Wind. Der ist fast die ganze Zeit präsent, mal mehr, mal weniger, und er kühlt deutlich. Er macht den Aufenthalt im Freien recht angenehm. Allerdings weht er nicht in den Zimmern.
Die Zimmer sind als eine Reihe von Hütten angelegt, immer ein bißchen versetzt, so daß man ein bißchen von den Nachbarn abgeschirmt ist. Das ist ganz schön und praktisch angelegt. Die Zimmer selbst sind eher schlicht, aber brauchbar funktional. Toilette und Dusche sind nicht die Erleuchtung, aber für den recht günstigen (Pauschal-)Preis in Ordnung. Es gibt einen Fernseher, der mehrere spanischsprachige Programme empfangen kann. Das half uns allerdings nicht so.
Auf die Dächer der Hütten scheint den ganzen Tag die Sonne. Davon werden sie natürlich nicht kühler. Wenn man abends zu Bett gehen will, ist es darin mächtig warm. Es gibt eine Klimaanlage, aber die ist so laut, daß man sie nicht nachts laufen läßt, es sei denn, man hält die Hitze überhaupt nicht mehr aus. Wir sind irgendwann dazu übergegangen, die Klimaanlage am späten Nachmittag oder frühen Abend laufen zu lassen, während wir weg waren, so daß die Hütte zur Bettgehzeit auf eine halbwegs angenehme Temperatur runtergekühlt war. Sie wird dann aber bald wieder wärmer.
Essen gibt es auf einer großen, offenen, überdachten Veranda, ein recht vielseitiges Buffet mit zwar nicht direkt hochklassiger Küche, aber eigentlich immer ordentlich bis gut. Es gibt viel schönes tropisches Obst. Die Auswahl von Kaltgetränken zum Frühstück ist nicht so toll, da muß man dann bis 11 Uhr warten, bis die Bar aufmacht, und dann heißt es wieder “Dos Polar Ice, por favor!”
Der Strand ist nicht weit weg, ungefähr 20 Meter. Wir haben ein paarmal gebadet, aber so reizvoll fand ich es nicht. Perverserweise ist dann doch der Swimmingpool verlockender – da kann man auf der Liege im Schatten liegen, das Wasser ist sauberer, es gibt ein bißchen Gesellschaft, und man kann den Leguanen zusehen, die sich auch am Pool tummeln. Schade ist nur auch hier die Unsitte, daß Abwesende “ihre” Liegestühle für Stunden mit Handtüchern blockieren, so daß sie keinem etwas nützen. Sehr blöd und egoistisch.
Wie ist es hier nun also? Eigentlich ganz nett für relativ billig. Wenn nicht gerade eine Kitesurfer-Weltmeisterschaft stattfindet, wie es uns in der ersten Woche passiert ist (Rambazamba grande!), ist es relativ ruhig. Publikum ist gemischt, wenn auch nicht unbedingt bildungsbürgerlastig. Wir fanden ganz nette Gesellschaft.
Luxus ist Coche Paradise nicht, aber auch nicht so schlicht, daß es stört. Schade ist allerdings, daß die Möglichkeiten zu Aktivitäten auf Coche relativ gering sind. Reizvolle Schorchelgebiete zum Beispiel gibt es dort nicht, nach der Auskunft, die wir erhielten. Baden, Wind- und Kitesurfen gehen natürlich. Die offizielle Website von Coche wirbt im wesentlichen damit, und mit “Dolcissimo far niente” (http://www.guaiqueri.net/pages/coche.htm).
Ein abendlicher Strandspaziergang ist ganz schön, man kann gut um die Nordwestspitze der Insel laufen; man kann auch mal mit dem Taxi nach San Pedro fahren, wo man dann auf einmal wirklich das Gefühl hat, in Südamerika zu sein. Aber sonst scheint Coche nicht sehr reizvoll zu sein.
Nichts tun kann man dagegen tatsächlich durchaus gut. Tage am Pool mit ein bißchen Baden und viel Lesen zubringen zum Beispiel, sich irgendwann zur Bar setzen, mit Leuten plaudern, warten, bis es Abendessen gibt, dann wieder zur Bar, mit anderen Würfel spielen…
Auf der Website von Coche Paradise sehe ich, daß es jetzt die Möglichkeit gibt, Pool Billard und Tischtennis zu spielen, einen Fitnessraum, und eine offensichtlich stark ausgebaute Lobby. Das war April 2005, als wir da waren, noch nicht vorhanden.
Für weiteres, zum Beispiel Bootsausflüge mit Schnorchelgelegenheit (das war schön!), muß man mit dem Schnellboot nach Isla Margarita. Das ist immer ein bißchen umständlich, kann sich aber lohnen.
Es war durchaus ein schöner Urlaub hier. Allerdings auch nicht so vollkommen überzeugend, daß wir danach nicht noch anderes ausprobieren mochten.