Archive for Januar, 2009

Frischeparadies Lindenberg

Samstag, Januar 17th, 2009

Morsestr. 2, 10587 Berlin

4 von 5 Punkten

Diesen Laden hat man lange vor mir geheimgehalten. Nun arbeite ich seit einer Weile hier um die Ecke, und erst da erfahre ich, daß zum Beispiel mehrere Gastwirte, die ich kenne, hier einkaufen bzw. sich von Lindenberg beliefern lassen. Warum hat mir vorher niemand davon erzählt?

Inzwischen bin ich selbst ein paarmal dagewesen, und es ist wirklich schwer beeindruckend. Fleisch zum Beispiel. Hier kauft man nicht einfach Fleisch nach Rind, Schwein oder Lamm und Schulter, Steak, oder Haxe, wasauchimmer, sondern außerdem nach Region der Herkunft und Rasse des Tiers.

Habe ich aber noch nicht, weil mir der Platz zum Einfrieren fehlt. Die beste Ehefrau von allen und ich sind zwar keine schmalen Esser, aber ein paar Kilo Fleisch auf einmal überfordern uns doch. Lindenberg ist eben ein Anbieter vor allem für die Gastronomie.

Was ich aber sehr gerne hier kaufe, ist Käse. Die Auswahl an, zum Beispiel, französischen Rohmilchkäsen ist überwältigend. Auch nicht wirklich umsonst alles, eben ziemlich gehobenes Niveau. Nix für täglich. Leider. Aber mal kann es ein gutes Stückchen sein. Oder zwei. Die nehmen auch nicht so viel Platz ein.

Durch den Laden schlendern allein macht schon Spaß. Mal Dinge sehen, die man sonst nur vom Hörensagen kennt. Wachteln. Und deren Eier. Tauben (als Lebensmittel, meine ich). Und so Zeugs.

Gut, für meine Finanzen, meine ich, daß die Weinauswahl nicht ebenso überwältigend ist. Nicht schlecht, und ich nehme schon mal eine Flasche aus dem Sonderangebot mit, aber da bietet ein richtiger Weinladen meist mehr. Wirklich gut so. Schließlich muß ich hier jeden Arbeitstag dran vorbei.

3 Moms

Donnerstag, Januar 15th, 2009

Hornstr. 1, 10965 Berlin

5 von 5 Punkten

3 Moms, ja. War für mich ein bißchen pechbehaftet. Mit so viel Vorfreude da hin, und extra Fotoapparat mitgenommen und fotografiert, und nachher zu Hause fiel mir gar nichts mehr ein, wie ich einen Artikel darüber schreiben sollte. Die Fotos alle nichts geworden. Alle irgendwie doof oder langweilig. Und ein Aufhänger für den Text fiel mir auch nicht ein, so gar nicht.

Dabei wollte ich doch so gerne so ein großes Lob schreiben, über das wirklich tolle Essen, den dezent stilvoll eingerichten Raum, die umwerfend freundliche und charmante junge Kellnerin, die trotz des Gruppenansturms die Nerven behalten hat und alles irgendwie geschafft hat, sogar, als der gegrillte Schweinebauch knapp wurde, genug Leute zu überreden, etwas anderes zu nehmen.

Auch ich war darunter, und nahm stattdessen zwei weitere Vorspeisen. Besonders herausragend davon die eine, in dünnen Scheiben gebratenes mariniertes Rindfleisch, mit knusprigem Zeugs drüber, auf einem bunten Salat, der richtig Geschmack hat. Ganz groß, ganz wunderbar, ein Essen das glücklich macht. Und das noch für kaum Geld.

Wein war recht gut und auch sehr günstig, 3 € für 0,2 l, glaube ich.

Auch ich knie nieder.

Die Stachelschweine

Montag, Januar 12th, 2009

Tauentzienstr. 9-12, Europa-Center, 10789 Berlin

4 von 5 Punkten

Einmal muß man ja bei den Stachelschweinen gewesen sein, oder? Dazu kann es ganz unverhofft kommen. Es wird 1995 oder 1996 gewesen sein, da war ich mit einer Freundin unterwegs, wir waren wohl am Zoo oder in der Nähe der Gedächtniskirche, es war später Nachmittag oder früher Abend, da sagte sie auf einmal, wie sie sowas eben sagte, “jetzt hätte ich Lust, ins Theater zu gehen!”

“Theater, Theater, hmmm… nicht direkt, aber wie wär’s mit den Stachelschweinen gleich hier?” Wir gingen sofort hin und erfuhren, die Vorstellung habe gerade angefangen, aber es seien in der vierten Reihe noch Plätze frei, nicht abgeholte Karten, die bekämen wir zu halben Preis. Wir nahmen sie gern.

Im Saal wühlten wir uns durch die vierte Reihe zu unseren Plätzen. Wolfgang Gruner, mitten in seiner Anfangsconference, sah sehr ungnädig auf uns herab, wer es da wagte, zu seiner Vorstellung zu spät zu kommen. Daß wir sonst gar nicht gekommen wären, konnte er nicht wissen.

Wolfgang Gruner kann man dort nicht mehr sehen. Schade, der war großartig! Aber die junge Truppe, die in Nachfolge der “alten” Stachelschweine spielte, war auch richtig gut und konnte dieses Urteil auch bei einem weiteren Besuch Jahre später bestätigen.

Das Theater ist klein, verglichen mit dem riesigen Schuppen der Wühlmäuse am “Theo”. Das macht die Atmosphäre deutlich intimer, gemütlich, man ist – scheinbar – unter sich. Altes Westberlin eben. Und, wie traditionell im Kabarett, ist das Publikum überwiegend deutlich gutsituiert, vermutlich den von der Bühne verspotteten näher als den Spöttern.

Laika

Sonntag, Januar 11th, 2009

Emser Straße 131, Berlin

4 von 5 Punkten

Hach, hätte es mal früher so eine Kneipe in Neukölln gegeben! In den Achtzigern wäre ich hier bestimmt gut heimisch geworden.

Nach dem Essen in der Villa Rixdorf (siehe dort) wurden wir ex-Neuköllner noch auf einen Absacker ins Laika geführt, um auch das mal kennenzulernen. Das habe was. Und das hatte was, Party, Party, Party! Wir bekamen nicht heraus, in was für eine ausklingende Veranstaltung wir geraten waren, es könnte irgendein Märchenthema gewesen sein.

Das Publikum, mit im Schnitt wohl Anfang zwanzig etwa halb so alt wie wir, war zum großen Teil sehr liebevoll entweder mit richtigen Kostümen oder kleinen geschickten Acessoires als Tiere oder Märchenwesen verkleidet. Sehr sehenswert, und wir hatten großen Spaß daran, zu raten, was das jeweils darstellen sollte.

Das Lokal ist mit einfachen Mitteln recht ansprechend gestaltet. Ein Bühnen- und Tanzraum, ein Kneipenraum, und ein Raum mit Kicker bieten Platz und Abwechslung. Getränke gibt es am Tresen in Selbstbedienung, Platz für Tresentrinker ist nicht vorgesehen. Ist vielleicht auch nicht so notwendig, es scheinen sich ohnehin alle irgendwie zu kennen (bis auf uns alte, natürlich).

Die Preise sind günstig, die Atmosphäre freundlich chaotisch herzlich, das Ambiente irgendwie auch. Wenn ich auch nicht zum Zielpublikum gehöre, ist dies doch ein sehr sympathisches Lokal, und es geht ganz schön los hier! Ist nun Neukölln das neue Friedrichshain?

Villa Rixdorf

Sonntag, Januar 11th, 2009

Richardplatz 6, 12055 Berlin

3 von 5 Punkten

Schon vor längerer Zeit hörte ich mit Freude, daß in der schönen Villa am Richardplatz, die ich noch als Sitz der Baufirma Wöltinger kannte, ein Restaurant eröffnet hatte – leider lange nachdem ich aus der Gegend weggezogen war. Entsprechend war ich neugierig, hier mal herzukommen.

Die Villa Rixdorf erwies sich als ein ausgesprochen ordentliches Restaurant, der Gegend entsprechend nicht teuer. Dafür wird ein sehr guter Gegenwert geboten mit dezent, traditionell geschmackvoll und dabei unprätentios eingerichteten Räumen, freundlichem und aufmerksamem Service, und einer ordentlichen Küche. Das Angebot ist im wesentlichen moderner deutscher Mainstream, fast nichts herausragendes, aber jeder wird etwas finden können.

Herausragend ist die riesige Pizza mit einem Meter Durchmesser. Den hat sie wirklich! Die elf oder zwölf vorwiegend jungen Männer am Nachbartisch, die alle wie gute Esser wirkten, kamen mit zweien davon aus. Mit 15 bis 30 € je nach Belag ist diese Pizza auch noch sehr günstig.

Ganz ohne Tadel ist die Küche insgesamt nicht – der fritierte Blumenkohl war sehr fade, und das Wiener Schnitzel sah mit seinen vielen Falten in der Panierung aus wie ein Shar-Pei-Hund und war recht dick. Dennoch schmeckte es durchaus gut, wie bis auf den Blumenkohl die anderen Gerichte auch.

Die Weinkarte bietet eine ganz schöne Auswahl von offenen Weinen, zu meiner Verwunderung allerdings alle zum selben Preis. Hier könnte man, auch wenn es die Abrechnung komplizierter macht, etwas mehr differenzieren. Überraschend klein ist die Auswahl an Flaschenweinen. Hier müßte man sich doch etwas mehr Vielfalt leisten können, denn die werden ja nicht so schnell schlecht.

Daß der Kellner Chivas Regal für die Krone der Whiskys hält, mag man ihm an diesem Ort nachsehen. Immerhin gibt es einen, und auch Johnny Walker Black Label war, wenn auch nicht auf der Karte, zu finden.

Eigenartigkeit am Rande: Die Hintergrundmusik war offensichtlich ausschließlich als solche gedacht und nicht zum Hinhören – Big-Band-Tanzmusik in der Art von Hugo Strasser, gespielt in einer relativ kurzen Schleife von vielleicht einer halben oder dreiviertel Stunde.

Fazit: Ein Haus mit wirklich angenehmer Atmosphäre, ordentlichem Angebot und sehr gutem Preis-/Leistungsverhältnis, wo man gut mal essen gehen kann, wenn man in der Gegend ist. Extra dahinfahren würde ich ohne weiteres aber nicht, also drei Punkte.