Archive for the ‘Rezensionen’ Category

Neues Erscheinungsbild

Samstag, Februar 28th, 2009

1 von 5 Punkten

Ich mag’s nicht.

Nachtrag, etwas später:

“frischer, jünger und dynamischer” soll die neue Plattform sein. Der überwiegende Teil der aktiven Teilnehmer, die ich kenne, sowohl aus Berlin als auch aus Hamburg, ist aber nicht mehr im Alter von “frischer, jünger und dynamischer”, das ich vor allem in den Zwanzigern, vielleicht bis Anfang 30 einordnen würde, sondern eher über 40. Da kommt “frischer, jünger und dynamischer” als Hauptidee einfach nicht mehr so an.

Und vielleicht ist das ja nicht mehr das Publikum, das man haben will – was in die Zeit paßt, aber werbetaktisch vielleicht doch ein Schuß in den Ofen ist, denn das ist die zahlungskräftigere Klientel.

Noch’n Nachtrag (sorry, das fällt mir einfach nicht alles auf einmal ein):

Die ältere Klientel scheint mir tendentiell auch die mit den attraktiveren Beiträgen zu sein. Das hat teilweise literarische Qualität, teils stadtschreiberische, teils wahre Autorität, wenn man weiß, dahinter steht ein gestandener[1] Gastronom oder Koch oder Sommelier oder Journalist. Das ist ein anderes Niveau als “Pizza war geil”.

[1] Natürlich sind die jeweiligen beiderlei Geschlechts gemeint. Das bekam ich nur nicht untergebracht, ohne den Satz zu zerstören.

Dorfhotel Fleesensee

Freitag, November 14th, 2008

Am Kalkberg 1, 17213 Göhren-Lebbin

3 von 5 Punkten

Das Dorfhotel Fleesensee hat seinen Namen offensichtlich nicht davon, daß es im Dorf angesiedelt ist. Das ist es nicht, eher etwas außerhalb des Dorfs Göhren-Lebbin. Der Name kommt eher davon, daß die Apartments, die man hier mietet, auf Häuser verteilt sind, bis zu drei pro Haus, die dann wieder in “Dörfer” gruppiert sind – das “Fischerdorf”, das “Inseldorf”, das “Mühlendorf”, das “Piratendorf”. Und da gibt es denn einen Leuchtturm, eine Insel, eine Mühle, einen Bootssteg. Alles ist völlig unecht, auch das Fachwerk der Häuser, und es wirkt auch alles recht künstlich. Dafür dann aber auch wieder ganz nett, schon irgendwie hübsch.

Man betritt das Apartment direkt durch die Haustür. Unseres hatte einen kleinen Eingangsbereich mit Garderobe, Toilette, Bad mit Dusche, einen Koch-, Eß- und Wohnbereich und ein Schlafzimmer für zwei, insgesamt ca. 38 Quadratmeter laut Prospekt. Im Wohnbereich war ein Kaminofen, der jetzt im Mai natürlich nicht so wichtig war. Die Küchenecke war erstaunlich vollständig ausgestattet, mit Kühlschrank, Herd mit Backofen und vier Platten, Spülmaschine und einer kleinen Spüle. Dazu Geschirr und Besteck, Töpfe und Pfannen, Toaster, Kaffeemaschine, Wasserkocher, Schneebesen, Kochlöffel, Küchenmesser, und so weiter. Die Einrichtung ist zweckmäßig und ganz hübsch. Nicht umwerfend, aber nett.

Hinter dem Apartment, durch eine Glastür erreichbar, ist eine kleine Terrasse. Hier sitzend lernten wir die eigentlichen Bewohner dieser Anlage kennen: die Enten. Überall trifft man hier auf Stockenten, die, meist in Paaren, herumlaufen und -fliegen. Nicht sehr viele, man sieht selten mehr als ein Paar oder Grüppchen auf einmal, aber sie sind doch präsent. Das ist eine schöne Idee, das bringt ein bißchen Leben und Charakter hinein.

Zum Charakter gehört wesentlich die starke Ausrichtung auf Familien mit (eher kleineren) Kindern. Es gibt einen Spielplatz, einen “Streichelzoo” (im wesentlichen einige Schafe in einem Gehege), einen Grillplatz; viele Pflanzen sind mit informativen Schildern beschrieben, und auch über Tiere der Gegend gibt es Informationen; es gibt einen Kinderclub (im “Leuchtturm”) und einen Jugendclub (”Pier 88″), ein kleines Karussell, und manches mehr. Go-Karts können ausgeliehen werden, und ebenfalls auszuleihen gibt es Handkarren, in denen die Eltern die Kinder durch die Anlage transportieren können, zu deren offensichtlichem großen Vergnügen.

Auch die Gestaltung scheint an jungen Familien orientiert zu sein. Das Apartment, so fiel uns irgendwann auf, sieht ein bißchen aus wie das Klischee “junge Familie” aus dem Möbelkatalog, und es sind Kindersicherungen in allen Steckdosen.

An Gaststätten gibt es ein Buffet-Restaurant für Frühstück und Abendessen (”Landhus”), ein à-la-Carte-Restaurant (”Störtebeker”), und eine Kneipe (”Bootshus”), in der es neben den Standardgetränken Cocktails und kleinere Gerichte à la Carte gibt. Das Frühstück fanden wir etwas gemischt zwischen ziemlich gut bei der Auswahl von Müsli und Eierspeisen und naja ordentlich bei Wurst- und Käseauswahl. Das Essen im Störtebeker war schon ordentlich, aber für den nicht ganz geringen Preis ein bißchen enttäuschend. [Mai 2008]

Nachtrag: Das Restaurant Störtebeker hat uns bei zwei folgenden Besuchen weiterhin enttäuscht. Das Essen war schwach, Service noch zufriedenstellend, Preis-/Leistungsverhältnis schlecht. [November 2008]

Nil Restaurant

Samstag, Mai 17th, 2008

Neuer Pferdemarkt 5, 20359 Hamburg

5 von 5 Punkten

Menü Mai 2008:

Roh marinierter Thunfisch mit Mispeln, Erbsensprossen und Gartenkresse

Roulade von Morcheln und Nudeln mit Mairübe und Pimpinelle

Kurzgebratenes aus der Maibockkeule mit Spargel und Kartoffel-Buchweizenauflauf

Waldmeistersavarin mit Rhabarber und Ricotta-Sauerampferparfait
oder
Auswahl von Rohmilchkäsen

Der Raum war mir schon ein bißchen bekannt, also gab es einen Anflug von Vertrautheit, als wir ihn betraten, nicht mehr ganz fremd. Schlicht, unprätentiös eigentlich, aber doch mit Tiefe und einer nicht banalen Struktur. Die Einrichtung erweist sich auf den zweiten Blick als nicht nur optisch gediegen und unaufdringlich.

Der Platz, am Geländer der Empore, ideal und mit viel Überblick. Alles stimmt, man sitzt gut, es ist nicht zu hell und nicht zu dunkel, mit Stimmengewirr nicht zu laut und nicht zu leise, noch keine Musik. Der Kellner: Ruhig, heiter, charmant und so nett, daß wir uns einfach freuen, wenn er da ist.

Die Entscheidung für das Menü des Monats ist einfach, für mich allerdings mit Kartoffelpüree statt des Gratins mit Buchweizen – eins der wenigen Lebensmittel, die ich nicht mag. Das Essen ist großartig, vollkommen gelungen und exquisit von vorne bis hinten, jeder Gang ein hervorragendes Vergnügen. Der Gruß aus der Küche, nach dem zweiten Gang, ebenfalls, und von ebensolcher Menge wie Vorspeise oder Zwischengang.

Rohmilchkäse? Haben wir zu Hause auch, nehmen wir das andere Dessert. “Aber unsere Rohmilchkäse sind sehr gut!”, die leicht schmunzelnde, leicht gekränkt gespielte Antwort. Sind unsere zu Hause auch, aber den Versuch ist es wert, nehmen wir beides – und sie sind wirklich sehr gut, tendentiell eben doch etwas besser als unsere.

Die Weinempfehlung zum Menü paßte exzellent. Sehr schön auch weitere empfohlene Weine. Da hätte ich noch länger schwelgen mögen.

Als später doch Musik kommt, ist es ausgerechnet Ella Fitzgerald mit dem Cole Porter Songbook. Das ist unglaublich! Diese Musik paßt für mich zu diesem Moment besser, als hätte man mich selbst wählen lassen.

Ebenfalls unglaublich: Das silberne Messer zum Dessert ist aus dem Besteck, das meine Eltern Anfang der 60er bekommen haben und von dem die letzten drei Stück bei mir gelandet sind.

Meine Erwartungen waren schon hoch, aber sie wurden in jedem Punkt mehr als erfüllt. Der Spaß, in Hamburg extra für ein Essen zu übernachten, hat sich gelohnt. Hotzenplotz, ihr seid zu beneiden, Menschen so glücklich machen zu können!

Cox

Freitag, März 28th, 2008

Greifswalder Str. 43, 20099 Hamburg

5 von 5 Punkten

Das Cox: ein hervorragender Tip von hotzenplotz! Wir saßen auf der Lange-Reihe-Seite, die ich, wie andere auch, noch etwas schöner finde als die an der Greifswalder Straße. Wunderbar, diese Lederbänke; verzierte eiserne Säulen und ungemein geschmackvoll ausgesuchte Details geben dem Raum eine großartige Atmosphäre.

Vielleicht kann man die Qualität des Service nicht repräsentativ beurteilen, wenn man mit einem guten Bekannten des Wirts ankommt, zugegeben. Tadellos war er jedenfalls, und es wurde deutlich, daß die Leute hier es einfach können.

Die Vorspeise war ein Tatar vom Schwertfisch, für, wenn ich mich recht entsinne (auf der Karte finde ich es jetzt nicht mehr), etwas unter oder bei € 10. Durch fleißiges Sushi-Essen ist roher Fisch für mich kein ganz neues Erlebnis mehr, aber dieser hier war schon ungewöhnlich köstlich.

Als Hauptgericht nahm ich wegen der ungewöhnlichen Kombination die Maispoularden-Ballotine (eine ausgelöste gefüllte Keule) mit Blutwurst gefüllt auf Zuckerschoten mit Rhabarber, Rosmarin-Kartoffeln für € 16,50. Da war ich doch neugierig, was sie daraus machen! Das Ergebnis war wunderbar, das feine Hühnerfleisch wurde von der deftigen Blutwurst gut ergänzt und nicht erdrückt. Die Beilagen paßten sehr harmonisch dazu.

Die Rohmilchkäseauswahl (€ 9,50) war naturgemäß nicht total überraschend, aber sehr gut, und schön ergänzt von Früchtebrot, Feigensenf und Weintrauben.

Herr hotzenplotz wollte keinen Weißwein, also einigten wir uns auf einen Spätburgunder, der mir sehr gut schmeckte. Mit € 32 dafür nicht teuer. Zur Fischvorspeise wollte ich aber doch einen Weißwein. Man empfahl einen portugiesischen Weißen (€ 7,50 für 0,2 l), dessen Namen ich leider vergessen habe, ganz hervorragend! Sehr frisch, mit noch einem Hauch Kohlensäure, leicht und unbeschwert, dabei sehr aromatisch mit Aprikosen(?)- und Zitrusnoten. Erinnerte mich an einen wirklich guten Moselriesling, zu meinem Erstaunen.

Hier paßte für mich alles zusammen – sehr guter Service, tolle Atmosphäre, exzellentes Essen und köstlicher Wein. Das alles zu Preisen, die, besonders beim Wein, für das gebotene absolut angemessen sind.

Taverna Kos

Donnerstag, März 13th, 2008

Belziger Str. 68, 10823 Berlin

3 von 5 Punkten

Griechisch essen kann ja sehr verschieden sein. Hier hat es sehr gut geschmeckt und war sehr nett beim 10. Stadttreffen.

Am Anfang ist mir die Taverna Kos eher negativ aufgefallen: Der Gang zur Toilette (die an sich in Ordnung war) ging über eine steile Wendeltreppe nach unten durch vernachlässigt wirkende und etwas muffige Gefilde, zudem vorher durch ein stark verrauchtes Gebiet, das vom Rest des Lokals nicht abgetrennt war. “Da müssen sie sich mit dem Essen aber sehr anstrengen, um das auszugleichen”, dachte ich mir.

Später hatte ich diese negativen Eindrücke erstmal vollkommen vergessen, also hat die Anstrengung wohl gereicht: Der Vorspeisenteller mit Gyros (ca. 11 €) gefiel mir sehr gut, schöne Auswahl und intensiver Geschmack. Nichts für Leute die keinen Knoblauch mögen allerdings – zum Teil war es scharf von Knoblauch. Mir gefiel das!

Auch gefiel mir, daß der nahezu obligatorische Ouzo nicht nachher spendiert wurde, sondern vorher, als Aperitiv. Kannte ich so noch nicht, war aber überraschend gut.

Und seit langem mal wieder traute ich mich, einen Retsina zu trinken. Das war eigentlich nur ein Versuch, aber der gefiel mir so gut, leicht und aromatisch und ganz unpenetrant, daß ich noch ein Glas nahm (0,2 l für 3,30 €).

Der Service war freundlich, sympathisch und ausgesprochen zügig, sehr angenehm!

Tja, das was wirklich wichtig ist, war hier auch wirklich gut. Das mit dem Rauch nicht, das gibt einen Punkt Abzug. Schade, denn davon abgesehen gefiel es mir ausgesprochen gut.