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Die Stachelschweine

Montag, Januar 12th, 2009

Tauentzienstr. 9-12, Europa-Center, 10789 Berlin

4 von 5 Punkten

Einmal muß man ja bei den Stachelschweinen gewesen sein, oder? Dazu kann es ganz unverhofft kommen. Es wird 1995 oder 1996 gewesen sein, da war ich mit einer Freundin unterwegs, wir waren wohl am Zoo oder in der Nähe der Gedächtniskirche, es war später Nachmittag oder früher Abend, da sagte sie auf einmal, wie sie sowas eben sagte, “jetzt hätte ich Lust, ins Theater zu gehen!”

“Theater, Theater, hmmm… nicht direkt, aber wie wär’s mit den Stachelschweinen gleich hier?” Wir gingen sofort hin und erfuhren, die Vorstellung habe gerade angefangen, aber es seien in der vierten Reihe noch Plätze frei, nicht abgeholte Karten, die bekämen wir zu halben Preis. Wir nahmen sie gern.

Im Saal wühlten wir uns durch die vierte Reihe zu unseren Plätzen. Wolfgang Gruner, mitten in seiner Anfangsconference, sah sehr ungnädig auf uns herab, wer es da wagte, zu seiner Vorstellung zu spät zu kommen. Daß wir sonst gar nicht gekommen wären, konnte er nicht wissen.

Wolfgang Gruner kann man dort nicht mehr sehen. Schade, der war großartig! Aber die junge Truppe, die in Nachfolge der “alten” Stachelschweine spielte, war auch richtig gut und konnte dieses Urteil auch bei einem weiteren Besuch Jahre später bestätigen.

Das Theater ist klein, verglichen mit dem riesigen Schuppen der Wühlmäuse am “Theo”. Das macht die Atmosphäre deutlich intimer, gemütlich, man ist – scheinbar – unter sich. Altes Westberlin eben. Und, wie traditionell im Kabarett, ist das Publikum überwiegend deutlich gutsituiert, vermutlich den von der Bühne verspotteten näher als den Spöttern.

Union Jack

Samstag, April 5th, 2008

Schlüterstr. 15, 10625 Berlin

4 von 5 Punkten

Der Union Jack ist, zumindest aus meiner Sicht, auch so ein West-Berliner Urgestein. Schon vor über zwanzig Jahren habe ich die gewaltige Auswahl von über 400 Whisk(e)y-Sorten bewundert. Nun war ich, buchstäblich nach Jahrzehnten, zufällig mal wieder hier.

Die Räume sind die einer traditionellen Kneipe, stilvoll dunkles Holz, zwei Bereiche mit Tischen und Stühlen, und einige Plätze am Tresen. Recht angenehm.

Es gibt irgendwie auch Essen; das hat mich in dem Moment nicht interessiert. Es roch aber gut von den Tischen her. Dazu ein paar Biere, von denen Guinness noch das gewöhnlichste ist, aber es gibt zum Beispiel auch Beamish Stout, von manchen deutlich höher geschätzt als Guinness, und John Smith’s Bitter.

Das wesentliche aber ist der Whisky. Am und hinter dem Tresen findet sich eine schier unglaubliche Anzahl verschiedener Flaschen, ausführlich in der Karte verzeichnet

Schön fand ich eine kleine Bibliothek von Zeitschriften und Büchern zum Thema, die dem weniger kundigen oder unentschlossenen Gast helfen kann. Das Buch “Malt Whisky” von Michael Jackson (nicht der bekannte Musiker) schien mir das aktuellste und informativste zu sein, dabei lesbar und unterhaltsam, mit ausführlichen Geschmacksbewertungen.

Natürlich liegt der Schwerpunkt des Angebots auf schottischen Single Malts. Wie sollte es anders sein! Aber auch irischer, amerikanischer und japanischer Whisk(e)y finden sich hier, auch zum Beispiel Racke Rauchzart aus deutscher Produktion. Allerdings ist der Falkner, der Whisky aus der DDR, inzwischen ausgetrunken. “Das wäre heute auch nicht mehr so witzig”, sagt die Chefin.

Diese ist, wenn sie das Interesse des Gastes am von ihr offensichtlich geliebten Stoff erkannt hat, sehr auskunftsfreudig, plaudert gerne, und berät den Gast, was ihm bei seinem Geschmack denn noch interessieren könnte.

So habe ich denn ein paar Variationen meiner Lieblingswhiskys probiert, einen 18-jährigen Talisker und vom Lagavulin ein paar “Fremdabfüllungen”, einen jungen fünfjährigen und einen cask strength mit 68 %. Sehr interessant!

Anzumerken ist noch, dass es häufig Veranstaltungen gibt, Live-Musik, Vorträge, aber hauptsächlich Verkostungen zu bestimmten Themen, letztere preislich relativ günstig (meistens 5×2 cl zu 22 €). Diese sind auf der Webseite angekündigt oder, noch aktueller, per Newsletter, den man dort abonnieren kann.

Hier muß ich noch mal her, und ich glaube, ich weiß schon mit wem…

Straßenbahn

Donnerstag, Dezember 21st, 2006

Laubacher Str. 29, Berlin

4 von 5 Punkten

In der Straßenbahn hat sich nicht viel geändert in den fast 30 Jahren ihres Bestehens – jedenfalls nicht in den knapp 20 Jahren, die ich das Lokal kenne. Warum auch? Es gefällt den Gästen ja, und die waren auch alle von Anfang an dabei, zumindest hat es fast den Anschein.

Die Straßenbahn hat Atmosphäre. Daß sie nach wie vor von einem Kollektiv bewirtschaftet wird, daß aushängt, welchen Projekten die Trinkgelder in letzter Zeit zugute gekommen sind, daß die Gäste zwar durchaus höflich, aber alles andere als unterwürfig behandelt werden, gehört dazu. Gleichzeitig ist es so sehr altes West-Berlin, wie es sich nur an wenigen Orten erhalten hat.

Es gibt die für eine Kneipe im wesentlichen übliche Getränkeauswahl mit ein paar netten Akzenten (Rhabarbersaft!); die Speisenauswahl ist typisch für die Mischform Kneipenrestaurant. Auf der Tageskarte gibt es einige warme Speisen, das sonstige Angebot ist nicht groß und durch eine Auswahl belegter Fladenbrote geprägt – alles sehr preisgünstig und durchaus gut.

Es gibt einen Nichtraucherraum, der sogar relativ gut vom Rest getrennt ist. Da sitze ich selbst gerne und stehe hin und wieder auf, um am Tresen eine Zigarette zu rauchen.

Krasselt’s Imbiss

Mittwoch, Dezember 20th, 2006

Steglitzer Damm 24, 12169 Berlin

3 von 5 Punkten

Ach ja, es ist doch sehr Geschmackssache mit der Currywurst. Seit ein paar Jahren wohne ich nun fast gegenüber von Krasselt’s [sic], und an Currywurst ohne Darm habe ich mich immer noch nicht gewöhnt.

Schlecht ist sie nicht, und das Ketchup (auch in Flaschen zu bekommen!) ist wirklich hervorragend, die Würzung gut. Aber die Wurst selbst ist so weich und labberig, es fehlt das Knusprige, das ich an der Wurst mit Darm so mag.

Das kann man Krasselt’s natürlich nicht vorwerfen. Inzwischen esse ich dort viel öfter einen Fleischspieß, oder auch zwei, mit Pommes. Die Spieße sind sehr gut und haben uns auch zu Hause schon ein paarmal abends das Kochen erspart.