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Villa Rixdorf

Sonntag, Januar 11th, 2009

Richardplatz 6, 12055 Berlin

3 von 5 Punkten

Schon vor längerer Zeit hörte ich mit Freude, daß in der schönen Villa am Richardplatz, die ich noch als Sitz der Baufirma Wöltinger kannte, ein Restaurant eröffnet hatte – leider lange nachdem ich aus der Gegend weggezogen war. Entsprechend war ich neugierig, hier mal herzukommen.

Die Villa Rixdorf erwies sich als ein ausgesprochen ordentliches Restaurant, der Gegend entsprechend nicht teuer. Dafür wird ein sehr guter Gegenwert geboten mit dezent, traditionell geschmackvoll und dabei unprätentios eingerichteten Räumen, freundlichem und aufmerksamem Service, und einer ordentlichen Küche. Das Angebot ist im wesentlichen moderner deutscher Mainstream, fast nichts herausragendes, aber jeder wird etwas finden können.

Herausragend ist die riesige Pizza mit einem Meter Durchmesser. Den hat sie wirklich! Die elf oder zwölf vorwiegend jungen Männer am Nachbartisch, die alle wie gute Esser wirkten, kamen mit zweien davon aus. Mit 15 bis 30 € je nach Belag ist diese Pizza auch noch sehr günstig.

Ganz ohne Tadel ist die Küche insgesamt nicht – der fritierte Blumenkohl war sehr fade, und das Wiener Schnitzel sah mit seinen vielen Falten in der Panierung aus wie ein Shar-Pei-Hund und war recht dick. Dennoch schmeckte es durchaus gut, wie bis auf den Blumenkohl die anderen Gerichte auch.

Die Weinkarte bietet eine ganz schöne Auswahl von offenen Weinen, zu meiner Verwunderung allerdings alle zum selben Preis. Hier könnte man, auch wenn es die Abrechnung komplizierter macht, etwas mehr differenzieren. Überraschend klein ist die Auswahl an Flaschenweinen. Hier müßte man sich doch etwas mehr Vielfalt leisten können, denn die werden ja nicht so schnell schlecht.

Daß der Kellner Chivas Regal für die Krone der Whiskys hält, mag man ihm an diesem Ort nachsehen. Immerhin gibt es einen, und auch Johnny Walker Black Label war, wenn auch nicht auf der Karte, zu finden.

Eigenartigkeit am Rande: Die Hintergrundmusik war offensichtlich ausschließlich als solche gedacht und nicht zum Hinhören – Big-Band-Tanzmusik in der Art von Hugo Strasser, gespielt in einer relativ kurzen Schleife von vielleicht einer halben oder dreiviertel Stunde.

Fazit: Ein Haus mit wirklich angenehmer Atmosphäre, ordentlichem Angebot und sehr gutem Preis-/Leistungsverhältnis, wo man gut mal essen gehen kann, wenn man in der Gegend ist. Extra dahinfahren würde ich ohne weiteres aber nicht, also drei Punkte.

Renger-Patzsch Restaurant

Samstag, Mai 31st, 2008

Wartburgstraße 54, 10823 Berlin

3 von 5 Punkten

Die Einrichtung ist sparsam, schlicht, wie auf den Webseiten gut zu sehen, mit den Fotos von Renger-Patzsch schön und unaufdringlich ergänzt.

Das Essen war gut, teilweise sehr gut. Die Salamis vorweg, ein paar Scheiben von drei verschiedenen Sorten, waren intensiv im Geschmack und dabei schön verschieden, die Senfsorten sehr passend dazu. Der Sauerbraten vom Schweinebäckchen bestand entsprechend aus kleinen Stücken, sehr zart und mit der braunen Soße sehr gelungen. Das Kohlgemüse dazu war nicht so spannend, die Schupfnudeln gut, so in Richtung solide.

Die Crème Brulée war überraschend tief und voluminös, ich kenne sie eher flach, so dass man mehr Kruste pro Volumen hat. Die Creme selbst war mit Vanille, was nicht ganz so mein Fall ist. Gut geschmeckt hat sie mir aber durchaus.

Von den offenen Weinen war ich etwas enttäuscht. Der Elsässer Pinot Noir, deutlich teurer als die anderen offenen Weine, war eher flach und uninteressant. Der Rioja war ordentlich, aber zum Beispiel am Abend drauf bekam ich im Chichikan einen besseren chilenischen Merlot für deutlich weniger Geld. Der Grauburgunder aus der Pfalz war genau wie erwartet und wirklich gut.

Der Service war ganz ordentlich; manchmal etwas lang abwesend, vielleicht insgesamt etwas zurückhaltend. Klar in Ordnung, aber hier hätte ich doch mehr erwartet. Und war es keine gute Idee, wenn man den Abend und den Laden abschließen will, so vielen Gästen die Gesamtrechnung auf den Tisch zu legen. Dann fangen die selbst an zu rechnen, und das dauert ganz schön lange.

Hm, nun also: Von Wein und Service war ich nicht begeistert, vom Essen teilweise. Mir schien es für den Preis nicht ganz das Erwartete zu bieten, deshalb nur drei Punkte. Als Gegensatz: Im Hamburger Cox war ich für unwesentlich mehr Geld erheblich zufriedener.

Nichtsdestoweniger war das eine tolle QCN, und es hat sehr viel Spaß gemacht!

Strandhotel Dagebüll

Sonntag, Mai 18th, 2008

Koogwarft 1, 25899 Dagebüll

4 von 5 Punkten

Am und zum Teil auf dem Deich direkt am Dagebüller Fährhafen liegt das Strandhotel. Wie vermutlich die meisten kenne ich nur das Restaurant, von dessen vorderen Teil aus man einen sehr schönen Blick auf den Hafen und das Wattenmeer hat, bei entsprechendem Wetter auch auf die Badenden direkt vor dem Haus.

Obwohl die Gäste durch den Fährbetrieb frei Haus geliefert werden, sind Auswahl durchaus gut, Preise in Ordnung und Service freundlich und professionell; das Ambiente ist norddeutsch klassisch-rustikal. Das Restaurant ist damit eine gute Gelegenheit für einen Kaffee oder auch eine kleine oder größere Mahlzeit, während man auf die Fähre wartet. Der Kaffee war durchaus ordentlich, und der Lachs mit Toast, den ich hatte, sogar ausgesprochen gut.

Außer dem Restaurant gibt es eine Bierstube, und es werden Zimmer vermietet, wie der Name es nahelegt. Die Webseite bietet leider keine Informationen über die Zimmerpreise.

Nil Restaurant

Samstag, Mai 17th, 2008

Neuer Pferdemarkt 5, 20359 Hamburg

5 von 5 Punkten

Menü Mai 2008:

Roh marinierter Thunfisch mit Mispeln, Erbsensprossen und Gartenkresse

Roulade von Morcheln und Nudeln mit Mairübe und Pimpinelle

Kurzgebratenes aus der Maibockkeule mit Spargel und Kartoffel-Buchweizenauflauf

Waldmeistersavarin mit Rhabarber und Ricotta-Sauerampferparfait
oder
Auswahl von Rohmilchkäsen

Der Raum war mir schon ein bißchen bekannt, also gab es einen Anflug von Vertrautheit, als wir ihn betraten, nicht mehr ganz fremd. Schlicht, unprätentiös eigentlich, aber doch mit Tiefe und einer nicht banalen Struktur. Die Einrichtung erweist sich auf den zweiten Blick als nicht nur optisch gediegen und unaufdringlich.

Der Platz, am Geländer der Empore, ideal und mit viel Überblick. Alles stimmt, man sitzt gut, es ist nicht zu hell und nicht zu dunkel, mit Stimmengewirr nicht zu laut und nicht zu leise, noch keine Musik. Der Kellner: Ruhig, heiter, charmant und so nett, daß wir uns einfach freuen, wenn er da ist.

Die Entscheidung für das Menü des Monats ist einfach, für mich allerdings mit Kartoffelpüree statt des Gratins mit Buchweizen – eins der wenigen Lebensmittel, die ich nicht mag. Das Essen ist großartig, vollkommen gelungen und exquisit von vorne bis hinten, jeder Gang ein hervorragendes Vergnügen. Der Gruß aus der Küche, nach dem zweiten Gang, ebenfalls, und von ebensolcher Menge wie Vorspeise oder Zwischengang.

Rohmilchkäse? Haben wir zu Hause auch, nehmen wir das andere Dessert. “Aber unsere Rohmilchkäse sind sehr gut!”, die leicht schmunzelnde, leicht gekränkt gespielte Antwort. Sind unsere zu Hause auch, aber den Versuch ist es wert, nehmen wir beides – und sie sind wirklich sehr gut, tendentiell eben doch etwas besser als unsere.

Die Weinempfehlung zum Menü paßte exzellent. Sehr schön auch weitere empfohlene Weine. Da hätte ich noch länger schwelgen mögen.

Als später doch Musik kommt, ist es ausgerechnet Ella Fitzgerald mit dem Cole Porter Songbook. Das ist unglaublich! Diese Musik paßt für mich zu diesem Moment besser, als hätte man mich selbst wählen lassen.

Ebenfalls unglaublich: Das silberne Messer zum Dessert ist aus dem Besteck, das meine Eltern Anfang der 60er bekommen haben und von dem die letzten drei Stück bei mir gelandet sind.

Meine Erwartungen waren schon hoch, aber sie wurden in jedem Punkt mehr als erfüllt. Der Spaß, in Hamburg extra für ein Essen zu übernachten, hat sich gelohnt. Hotzenplotz, ihr seid zu beneiden, Menschen so glücklich machen zu können!

Cox

Freitag, März 28th, 2008

Greifswalder Str. 43, 20099 Hamburg

5 von 5 Punkten

Das Cox: ein hervorragender Tip von hotzenplotz! Wir saßen auf der Lange-Reihe-Seite, die ich, wie andere auch, noch etwas schöner finde als die an der Greifswalder Straße. Wunderbar, diese Lederbänke; verzierte eiserne Säulen und ungemein geschmackvoll ausgesuchte Details geben dem Raum eine großartige Atmosphäre.

Vielleicht kann man die Qualität des Service nicht repräsentativ beurteilen, wenn man mit einem guten Bekannten des Wirts ankommt, zugegeben. Tadellos war er jedenfalls, und es wurde deutlich, daß die Leute hier es einfach können.

Die Vorspeise war ein Tatar vom Schwertfisch, für, wenn ich mich recht entsinne (auf der Karte finde ich es jetzt nicht mehr), etwas unter oder bei € 10. Durch fleißiges Sushi-Essen ist roher Fisch für mich kein ganz neues Erlebnis mehr, aber dieser hier war schon ungewöhnlich köstlich.

Als Hauptgericht nahm ich wegen der ungewöhnlichen Kombination die Maispoularden-Ballotine (eine ausgelöste gefüllte Keule) mit Blutwurst gefüllt auf Zuckerschoten mit Rhabarber, Rosmarin-Kartoffeln für € 16,50. Da war ich doch neugierig, was sie daraus machen! Das Ergebnis war wunderbar, das feine Hühnerfleisch wurde von der deftigen Blutwurst gut ergänzt und nicht erdrückt. Die Beilagen paßten sehr harmonisch dazu.

Die Rohmilchkäseauswahl (€ 9,50) war naturgemäß nicht total überraschend, aber sehr gut, und schön ergänzt von Früchtebrot, Feigensenf und Weintrauben.

Herr hotzenplotz wollte keinen Weißwein, also einigten wir uns auf einen Spätburgunder, der mir sehr gut schmeckte. Mit € 32 dafür nicht teuer. Zur Fischvorspeise wollte ich aber doch einen Weißwein. Man empfahl einen portugiesischen Weißen (€ 7,50 für 0,2 l), dessen Namen ich leider vergessen habe, ganz hervorragend! Sehr frisch, mit noch einem Hauch Kohlensäure, leicht und unbeschwert, dabei sehr aromatisch mit Aprikosen(?)- und Zitrusnoten. Erinnerte mich an einen wirklich guten Moselriesling, zu meinem Erstaunen.

Hier paßte für mich alles zusammen – sehr guter Service, tolle Atmosphäre, exzellentes Essen und köstlicher Wein. Das alles zu Preisen, die, besonders beim Wein, für das gebotene absolut angemessen sind.

Frau Mittenmang

Montag, Oktober 8th, 2007

Rodenbergstrasse 37, 10439 Berlin

4 von 5 Punkten

Als ich dieses Lokal betrat, fiel mir als erstes die angenehm entspannt und unprätentiös wirkende Einrichtung auf. Die Möbel sind einfach ältere Tische und Stühle, an und auf denen man recht gut sitzt, und so ausgesucht, daß der Eindruck von Museum oder Omas Wohnzimmer vermieden wird.

Die Speisekarte heißt Abendkarte und wird, so hörte ich, jeden Tag neu gemacht, je nachdem, was man an dem Tag gut einkaufen konnte. So wünscht man es sich doch!

Das Angebot ist hauptsächlich modern-deutsch mit ein paar internationalen Ausflügen, asiatisch und italienisch an diesem Abend, einfallsreich und phantasievoll. Es gab sowohl einen Bunten Salat mit Chorizo-Seafood-Spieß als auch einen mit Absinth marinierten Jungschweinrücken mit Rote-Beete-Risotte und kl. [sic] Gemüse. Die Preise der Hauptgerichte bewegten sich im wesentlichen zwischen 9 und 14 Euro.

Die Qualität des Essen ist diesen Preisen leicht angemessen. Ich war sehr angetan, denn es schmeckte wirklich ausgezeichnet. Alles, was wir am Tisch hatten, gefiel sehr, nur war einer die gefüllte Kalbsbrust etwas zu fett, einem anderen aber wiederum nicht.

Die Getränkekarte enthielt so in etwa das übliche, nur Wein vermißte ich erst. Man wies mich dann auf die Tafeln mit dem Weinangebot hin, von denen die mit den Rotweinen praktischerweise direkt hinter mir hing (siehe Fotos). Alle Weine gibt es flaschen- und gläserweise. Die Flaschenpreise sind bis auf wenige Ausnahmen rund um 15 Euro. Wir hatten einen Bergerac und einen Ribera del Duero, die für diesen Preis ausgesprochen trinkbar waren. Sehr gut!

Der Service war freundlich und kompetent und auch später, als es voller wurde, noch aufmerksam. Das Publikum ist nicht mehr jugendlich, ansonsten gemischt in Erscheinung und Alter, tendentiell modern und in seiner Szenigkeit durchaus noch erträglich.

Natürlich ist der Prenzlauer Berg insgesamt viel zu szenig-modisch-lifestylig, und natürlich kann man auch sehr gut woanders leben, essen und trinken. Schade nur, daß es in meinem speziellen woanders kein Lokal gibt, das meinen Geschmack so genau trifft wie Frau Mittenmang.

Besonderes Merkmal in allem, scheint mir, ist die entspannte, freundliche Sorgfalt, mit der alles gemacht wird. Das wirkt auch auf den Gast sehr entspannend.

Was ich nicht beurteilen konnte: Die regelmäßigen Livekonzerte, das Frühstück am Wochenende, die Terrasse, und insbesondere das Freundinnenklo mit den kleinen Überraschungen.