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Laika

Sonntag, Januar 11th, 2009

Emser Straße 131, Berlin

4 von 5 Punkten

Hach, hätte es mal früher so eine Kneipe in Neukölln gegeben! In den Achtzigern wäre ich hier bestimmt gut heimisch geworden.

Nach dem Essen in der Villa Rixdorf (siehe dort) wurden wir ex-Neuköllner noch auf einen Absacker ins Laika geführt, um auch das mal kennenzulernen. Das habe was. Und das hatte was, Party, Party, Party! Wir bekamen nicht heraus, in was für eine ausklingende Veranstaltung wir geraten waren, es könnte irgendein Märchenthema gewesen sein.

Das Publikum, mit im Schnitt wohl Anfang zwanzig etwa halb so alt wie wir, war zum großen Teil sehr liebevoll entweder mit richtigen Kostümen oder kleinen geschickten Acessoires als Tiere oder Märchenwesen verkleidet. Sehr sehenswert, und wir hatten großen Spaß daran, zu raten, was das jeweils darstellen sollte.

Das Lokal ist mit einfachen Mitteln recht ansprechend gestaltet. Ein Bühnen- und Tanzraum, ein Kneipenraum, und ein Raum mit Kicker bieten Platz und Abwechslung. Getränke gibt es am Tresen in Selbstbedienung, Platz für Tresentrinker ist nicht vorgesehen. Ist vielleicht auch nicht so notwendig, es scheinen sich ohnehin alle irgendwie zu kennen (bis auf uns alte, natürlich).

Die Preise sind günstig, die Atmosphäre freundlich chaotisch herzlich, das Ambiente irgendwie auch. Wenn ich auch nicht zum Zielpublikum gehöre, ist dies doch ein sehr sympathisches Lokal, und es geht ganz schön los hier! Ist nun Neukölln das neue Friedrichshain?

The Sixties Diner

Dienstag, August 26th, 2008

Mariendorfer Damm 338, 12107 Berlin

3 von 5 Punkten

Viel gebe es hier nicht in der Gegend, und dies hier sei noch ganz gut, sagte mein Freund M., den ich gestern wohl das letzte Mal sah, bevor er auswandert – immerhin “nur” ins europäische Ausland. Und wenn er dann nicht sehr lange Zeit hat, dann fahre ich dafür natürlich auch nach Mariendorf. Zum Glück ist der Sixties Diner trotz seiner südlichen Lage mit den Bussen M76 und X76 noch ganz gut angebunden.

Bei American Diner und Mariendorf verbinden sich in meinem Kopf zwei Klischees, resultierend in dem Bild eines kitschig amerikanisch dekorierten Lokals mit lauter Musik, größeren Gruppen Spätadoleszenter, die große Mengen Hamburger und Spare Ribs in sich reinschaufeln, laut grölend Bier aus eimergroßen Kannen trinken und sich dabei ganz großartig vorkommen.

Diese Erwartung wurde nicht erfüllt. Wer weiß, vielleicht ist es ja am Wochenende so. Am Montagabend aber war es ganz zivilisiert. Ja, es gab einen Tisch junger Leute, die sich Bier aus einer Kanne in die Gläser füllten. Die waren aber ganz ruhig. Ja, es gab auch Spare Ribs, M. aß sie, aber auch er blieb ganz ruhig dabei.

Überhaupt ging es recht ruhig zu. Das Lokal ist wirklich amerikanisch kitschig dekoriert, mit den typischen Kunstlederpolsterbänken, Juke Box, viel Leuchtreklame, Bilder von Elvis und 60er-Jahre-Autos, und was so dazugehört. Die Musik ist aber durchaus erträglich laut, erst recht auf der Terrasse. Und es laufen nicht nur Buddy Holly und Gene Vincent, sondern auch ganz moderne Acts wie Soft Cell und Anne Clark.

Die Bierauswahl ist ein bißchen eingeschränkt, aber immerhin nicht auf amerikanische Biere. Auf Warsteiner und Berliner vom Faß hatte ich keine Lust, aber das Carlsberg aus der Flasche – das hatte ich schon lange nicht mehr! – schmeckte mir gut. Die Hot Red Chili Poppers waren etwas fettig, und die Nachos “Gaucho” lagen mir etwas schwer im Magen, aber das kann einfach an der Menge gelegen haben. Der Service war freundlich, meist nicht langsam, und hinreichend aufmerksam.

Ja, wenn es denn Mariendorf sein soll, kann man hier mal hingehen. Dann trifft man es auch gar nicht schlecht.

Brewbaker in der Weinwirtschaft

Dienstag, August 26th, 2008

Flensburger Str., S-Bahn-Bogen, 10557 Berlin

3 von 5 Punkten

Kürzlich kam ich mal wieder hierher, um endlich mal das selbstgebraute Bier zu probieren.

Ein voriger Besuch hatte mir gezeigt, daß die Weinauswahl nicht ganz die geweckten Erwartungen erfüllte: dieser Wein war nicht da, jener zwar da, aber nicht kalt, generell gab es eigentlich zu wenig Informationen über die Weine. Aber man saß nett in angenehmer Atmosphäre, und das Essen war ziemlich gut.

Letzteres bestätigte sich dieses Mal nicht mehr ganz so, als habe es ein klein bißchen nachgelassen. Immer noch war es aber durchaus gut.

Das Angebot an selbstgebrautem Bier wechselt nach Saison und Laune. An diesem Tag gab es ein ein Lager, nach japanischer Art aus Reis gebraut, ein Pils und ein Stout. Das Reis-Lager war etwas eigenartig, aber als leichtes, durstlöschendes Sommerbier nicht übel. Das Pils war nicht ganz mein Fall, aber das Stout schmeckte mir ganz gut. (Mit einem Guinness, Murphy’s oder Beamish konnte es allerdings nicht mithalten.)

Lustig fand ich die Auswahl an Schnäpsen: Neben einer sehr großen Auswahl an Obstbränden gab es einen einzigen Whisky – der allerdings war ein Bowmore Cask Strength, schon ein richtig guter. Überraschend, aber köstlich.

Der alleine ist allerdings kein Grund, hierher zu kommen. Das Bier wohl auch nicht, ebensowenig alles andere, aber in der Summe ergibt das ein Lokal, in dem man durchaus einen ganz netten Abend zubringen kann, wenn die Lage günstig ist. Drinnen und draussen sitzt man ganz gut, die Fahrgeräusche der Bahn stören auch unter dem Stadtbahnbogen erstaunlich wenig.

Felsenkeller

Montag, Juni 2nd, 2008

Akazienstrasse 2, 10823 Berlin

4 von 5 Punkten

Der Felsenkeller ist eine der netteren der Berliner Traditionskneipen. Seit einer Weile komme ich zum Kartenspielen her, immer mal wieder.

Einfache hölzerne Stühle, Bänke und Tische und holzgetäfelte Wände prägen den Raum. Das Holz war sicher mal hell.

Die Küche arbeitet mit einfachen Mitteln. Neben den Standards wie Kartoffelsalat mit Knackern oder Wienern gibt es wechselnde andere Gerichte, tendentiell deftig, immer ordentlich, manchmal ausgesprochen gut. Viel kostet das Essen nicht. Auch die Getränke sind nicht teuer.

Der Wirt und die Kellnerin – es war zu unseren Besuchen immer dieselbe – scheinen ihre Arbeit sehr gern zu tun. Das wirkt einfach nett, man fühlt sich willkommen.

Union Jack

Samstag, April 5th, 2008

Schlüterstr. 15, 10625 Berlin

4 von 5 Punkten

Der Union Jack ist, zumindest aus meiner Sicht, auch so ein West-Berliner Urgestein. Schon vor über zwanzig Jahren habe ich die gewaltige Auswahl von über 400 Whisk(e)y-Sorten bewundert. Nun war ich, buchstäblich nach Jahrzehnten, zufällig mal wieder hier.

Die Räume sind die einer traditionellen Kneipe, stilvoll dunkles Holz, zwei Bereiche mit Tischen und Stühlen, und einige Plätze am Tresen. Recht angenehm.

Es gibt irgendwie auch Essen; das hat mich in dem Moment nicht interessiert. Es roch aber gut von den Tischen her. Dazu ein paar Biere, von denen Guinness noch das gewöhnlichste ist, aber es gibt zum Beispiel auch Beamish Stout, von manchen deutlich höher geschätzt als Guinness, und John Smith’s Bitter.

Das wesentliche aber ist der Whisky. Am und hinter dem Tresen findet sich eine schier unglaubliche Anzahl verschiedener Flaschen, ausführlich in der Karte verzeichnet

Schön fand ich eine kleine Bibliothek von Zeitschriften und Büchern zum Thema, die dem weniger kundigen oder unentschlossenen Gast helfen kann. Das Buch “Malt Whisky” von Michael Jackson (nicht der bekannte Musiker) schien mir das aktuellste und informativste zu sein, dabei lesbar und unterhaltsam, mit ausführlichen Geschmacksbewertungen.

Natürlich liegt der Schwerpunkt des Angebots auf schottischen Single Malts. Wie sollte es anders sein! Aber auch irischer, amerikanischer und japanischer Whisk(e)y finden sich hier, auch zum Beispiel Racke Rauchzart aus deutscher Produktion. Allerdings ist der Falkner, der Whisky aus der DDR, inzwischen ausgetrunken. “Das wäre heute auch nicht mehr so witzig”, sagt die Chefin.

Diese ist, wenn sie das Interesse des Gastes am von ihr offensichtlich geliebten Stoff erkannt hat, sehr auskunftsfreudig, plaudert gerne, und berät den Gast, was ihm bei seinem Geschmack denn noch interessieren könnte.

So habe ich denn ein paar Variationen meiner Lieblingswhiskys probiert, einen 18-jährigen Talisker und vom Lagavulin ein paar “Fremdabfüllungen”, einen jungen fünfjährigen und einen cask strength mit 68 %. Sehr interessant!

Anzumerken ist noch, dass es häufig Veranstaltungen gibt, Live-Musik, Vorträge, aber hauptsächlich Verkostungen zu bestimmten Themen, letztere preislich relativ günstig (meistens 5×2 cl zu 22 €). Diese sind auf der Webseite angekündigt oder, noch aktueller, per Newsletter, den man dort abonnieren kann.

Hier muß ich noch mal her, und ich glaube, ich weiß schon mit wem…

Schleusenkrug

Dienstag, Oktober 30th, 2007

Müller-Breslau-Straße 1, 10623 Berlin

4 von 5 Punkten

Quasi jahrzehntelang, als ich in der Nähe studierte, bin ich hier nur vorbeigelaufen, manchmal. Dann, jahrelang, kam ich gar nicht mehr in die Nähe. Das hat sich vor einiger Zeit geändert, und seitdem war ich nicht oft, aber doch immer mal wieder und ausgesprochen gerne hier.

Einfaches, ordentliches Essen und ordentliches Bier bekommt man hier, auch durchaus (den Umständen entsprechend) passable Weine. Die Getränke gibt es per Selbstbedienung am Tresen. Das funktioniert ziemlich zügig und ist der Biergartenatmosphäre angemessen.

Das Mobiliar ist, natürlich, biergartenartig. Deshalb sitzt man nur begrenzt bequem, aber das ist eben so. Immerhin ist man auf nicht wenigen Plätzen auch vor einem mittleren Regen geschützt.

Die Lage ist recht gut. Von Straßenlärm ist man abgeschirmt, nicht dagen von dem der vorbeifahrenden Züge. Eigentlich müßte man Tiergeräusche aus dem nahen Zoo hören können, aber daran erinnere ich mich nicht. Wahrscheinlich war ich immer zu sehr ins Gespräch vertieft.

Ankerklause

Samstag, März 24th, 2007

Kottbusser Damm 104, 10967 Berlin

3 von 5 Punkten

Komisch, keiner der vorigen Beträge erwähnt den mir wichtigsten Fakt: Daß die Ankerklause von einer spießig-kitschig-überladenen Pinte zu einem Szenelokal wurde, deren Interieur sich zwar nicht wesentlich verändert hat, aber von Betreibern und Publikum mit leiser Ironie bedacht wird.

Mein Stil ist es nicht ganz (mir leicht mal zu laut und zu voll, der Rauch stört mich ja nicht so), aber ich mag diese Dissonanz zwischen Seemannskitsch und Kreuzberger Szene.

Lavandevil

Donnerstag, Januar 11th, 2007

Schustehrusstr. 3, 10585 Berlin

4 von 5 Punkten

Warum bin ich eigentlich so gerne im Lavandevil? Die Einrichtung ist etwas kühl; die Pizza schmeckt mir bei Lucky besser; das Essen ist insgesamt recht gut, aber, wie es so schön auf Englisch heißt, “nothing to write home about”.

Aber letzten Endes hat dieser Laden, ja, doch, irgendwie, einfach Atmosphäre. Vom manchmal grummeligen (aber meist doch sehr freundlichen!) Wirt hat schon ein anderer geschrieben. Er hat hier ein Lokal mit Persönlichkeit geschaffen, so daß es mir und der Runde, mit der ich mich seit über 15 Jahren hier fast monatlich treffe, noch nie in den Sinn gekommen wäre, uns etwas anderes zu suchen.

Zu diesen Treffen komme ich gern auch mal etwas früher, lese Zeitschriften, plaudere manchmal mit dem Wirt, der früh am Abend noch ein bißchen Zeit hat, und freue mich, daß das Wochenende begonnen hat.

Ja, so richtig an etwas festmachen kann ich es nicht, aber ich komme einfach sehr gern hierher. Immer wieder.

Blauer Engel

Donnerstag, Januar 11th, 2007

Gotenstr. 1, 10829 Berlin

4 von 5 Punkten

Es gibt manche Lokale in Berlin, die den traditionellen Stil Berliner Kneipen pflegen; die Dicke Wirtin und der Diener fallen mir dazu ein. So charmant und unverstellt wie hier im Bistro des Blauen Engels habe ich es aber bisher noch nicht gesehen. Viel dunkles Holz, altes Mobiliar, viele Fotos an den Wänden – wunderschön (siehe Foto).

Dieser Stil setzt sich im zweiten Teil, dem Restaurant, fort, nur etwas edler, mit dunklen Tapeten und schön gedeckten Tischen, sehr stilvoll. In ähnlicher Art gehalten ist die Kegelbahn im Keller (2 Bahnen). Im Sommer ist es sicher auch auf der Terrasse schön, denn die Lage ist ruhig; eventuell könnte die nahegelegene S-Bahn etwas stören.

Das Essen ist preiswert und ausgesprochen gut. Der Blattsalat mit Trauben und gebratener Entenbrust (8,40 €) schmeckte sehr gut, wenn auch das Fleisch etwas fest war; die Kartoffel-Steinpilzsuppe (4,30 €) und das kleine Rumpsteak mit Folienkartoffel, Kräuterquark und Salat (7,50 €) ebenfalls. Das teuerste Gericht ist der Lammrücken mit grünen Bohnen und Backkartoffeln auf der aktuellen Wochenkarte (11,50 €).

Als ich Radeberger auf der Karte sah, freute ich mich schon, denn das ist im Moment mein Lieblingspils; zwei Positionen weiter fand ich aber sogar Altbier vom Faß (Diebels), das mich dann doch vom Radeberger weglockte (beide 2,60 € für 0,4 l).

Der Service ist angenehm und freundlich; wir saßen am größten Tisch im Bistro (das eigentlich eine Kneipe ist) nur leider etwas außerhalb des Sichtfelds des Tresens.

Das Schönste an diesem Lokal: Es spielt zwar Musik, aber recht leise, und da es nicht sehr voll war, war es sehr ruhig. Es wurde schon gesprochen und gelacht, aber in vollkommen unnerviger Lautstärke.

Wer übrigens nicht weiß, worauf der Name des Lokals anspielt, kommt sicher durch die vielen Fotos von Marlene Dietrich darauf, oder spätestens durch Schilder von Straßen und Plätzen, die nach ihr benannt sind.

Straßenbahn

Donnerstag, Dezember 21st, 2006

Laubacher Str. 29, Berlin

4 von 5 Punkten

In der Straßenbahn hat sich nicht viel geändert in den fast 30 Jahren ihres Bestehens – jedenfalls nicht in den knapp 20 Jahren, die ich das Lokal kenne. Warum auch? Es gefällt den Gästen ja, und die waren auch alle von Anfang an dabei, zumindest hat es fast den Anschein.

Die Straßenbahn hat Atmosphäre. Daß sie nach wie vor von einem Kollektiv bewirtschaftet wird, daß aushängt, welchen Projekten die Trinkgelder in letzter Zeit zugute gekommen sind, daß die Gäste zwar durchaus höflich, aber alles andere als unterwürfig behandelt werden, gehört dazu. Gleichzeitig ist es so sehr altes West-Berlin, wie es sich nur an wenigen Orten erhalten hat.

Es gibt die für eine Kneipe im wesentlichen übliche Getränkeauswahl mit ein paar netten Akzenten (Rhabarbersaft!); die Speisenauswahl ist typisch für die Mischform Kneipenrestaurant. Auf der Tageskarte gibt es einige warme Speisen, das sonstige Angebot ist nicht groß und durch eine Auswahl belegter Fladenbrote geprägt – alles sehr preisgünstig und durchaus gut.

Es gibt einen Nichtraucherraum, der sogar relativ gut vom Rest getrennt ist. Da sitze ich selbst gerne und stehe hin und wieder auf, um am Tresen eine Zigarette zu rauchen.