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newthinking store

Sonntag, Februar 8th, 2009

Tucholskystr. 48, 10117 Berlin

4 von 5 Punkten

So ganz verstehe ich den newthinking store nicht. Nun, so richtig kenne ich ihn auch nicht – nur von den Treffen der Berliner OpenSolaris User Group. Die bestehen immer aus einem Vortrag und dem anschließenden Kneipen- bzw. Restaurantbesuch, und der Vortrag findet im newthinking store statt.

Der newthinking store versteht sich als Veranstaltungsort, oft selbst als Veranstalter, für Vorträge, Seminare und “Events”, aber auch als Dienstleister zu Themen rund um Open Source Software, also Software, die der Welt von den Entwicklern offen und kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

Dies als Konzept mag manchem merkwürdig vorkommen, ist aber in der Branche gut etabliert. So entwickeln Universitäten, staatliche Einrichtungen und Firmen oft Software als Forschungsprojekt oder für den Eigenbedarf, die sie nicht verkaufen wollen, sondern frei abgeben, so daß sie anderen nützt und andere mit daran arbeiten, sie zu verbessern und weiterzuentwickeln. Diese Software ist oft von hoher Qualität und an sehr vielen Stellen im Einsatz.

Entsprechend hat sich darum herum ein Markt etabliert, der Schulungen und Beratungen zu Open Source Software anbietet oder Anpassungen solcher Software für den individuellen Bedarf von Kunden vornimmt. Sehr viel Geld wird hier nicht verdient, aber manche leben davon.

Zu diesem Markt gehört auch der newthinking store. Aber außerdem bieten er eben Interessierten die Möglichkeit, ihre Räume für eigene Veranstaltungen zu nutzen – wie zum Beispiel für die Treffen der genannten Berliner OpenSolaris User Group. Zumindest diese bekommt die Räume kostenlos zur Verfügung gestellt. Ob der newthinking store nun meint, etwas mit den schmalen Getränkeeinnahmen zu verdienen (es gibt verschiedene Getränke aus der Flasche, darunter Bionade, Becks, Astra, und ein Weizenbier), oder solchen Veranstaltungen aus reinem Idealismus Raum gibt, habe ich noch nicht verstanden.

Und auch nicht, warum anscheinend in letzter Zeit so oft Astra neben Becks zu sehen ist in Berlin. Um den hervorragenden einheimischen Erzeugnissen Kindl und Schultheiss Konkurrenz zu machen?

Weinschule Berlin

Montag, Mai 19th, 2008

Inselstr. 8a, 10179 Berlin

5 von 5 Punkten

“Der Weg zum Weinkenner ist weit – aber er macht Spaß!” zitierte früher ein Kollege von mir. Das bestätigt sich immer wieder. Nicht nur beim Trinken, sondern auch beim ganz gezielten Lernen.

Ein klein bißchen hatte ich in den letzten paar Jahren über französische Weine schon gelernt. Aber das war Stückwerk, unzusammenhängend, und ließ viele Fragen offen. Deshalb freute ich mich ganz besonders, als ich zum Geburtstag von der besten Kennerin dieses Möchtegern-Weinkenners einen gemeinsamen Besuch in der Weinschule geschenkt bekam, zum Thema “Frankreich”.

Bernhard Moser bringt es alles in einen Zusammenhang. Anhand von Landkarten gibt er zunächst einen Überblick, vertieft im einzelnen, erklärt, wie die staatlichen Regelungen, “das erfolgreichste Weingesetz der Welt”, anders sind als in Deutschland, und wie sie sich auf die Weinherstellung auswirken. Das ist viel Stoff auf einmal, aber hochinteressant, und gekonnt präsentiert.

Bei der anschließenden Verkostung werden der Zusammenhang und die Einzelheiten sinnlich untermauert. Vom Norden zum Süden gehen wir von weiß zu rot 14 verschiedene Weine durch, darunter auch ein Champagner und ein Cremant. Wirklich gute Weine aus dem Bordeaux und dem Burgund sind dabei, aber auch einfachere Qualitäten. Zufällig ergibt sich auch die Gelegenheit, einen korkigen Wein zu probieren – schade andererseits, denn für die eine Flasche Sancerre gibt es gerade keinen Ersatz. Zuletzt ein Sauternes, der einen sehr schönen, intensiven Abschluß bringt.

Die Runde der Teilnehmer, die am Anfang noch gespannt und ein bißchen steif wirkt, wird zum Ende hin gelöster. Eine fröhlich-befriedigte Stimmung breitet sich aus – köstliche Dinge haben wir probiert, und interessantes darüber gelernt. Schon vorbei? Schade.

Nun müßte man noch jede Gegend in gleicher Detailliertheit… nein, das ist ein Wunschtraum, das gibt es nicht. Oder doch mal? Ein Seminar Bordeaux vielleicht?

Pragmatiker, der ich bin, freue ich mich auch auf weitere Seminare des vorhandenen Angebots. “Wein und Käse” und “Welcher Wein zu welchem Essen?” scheinen nicht nur mein Interesse zu finden.

Ja, das hat Spaß gemacht. Bernhard Moser macht es offensichtlich auch selbst Spaß, immer noch, und der Funke springt über.

“Viale dei Tigli” Ristorante Italiano

Donnerstag, Februar 14th, 2008

Wilhelmstr. 75, 10117 Berlin

3 von 5 Punkten

Ach ja, diese Plattenbau-Häuser… das beste ist, wenn man in einem drin ist, sieht man es nicht mehr.

Man sieht dann die Einrichtung. Die im Viale dei Tigli ist, irgendwie, ich weiß nicht, nicht schlecht, aber etwas steril. So ein bißchen wie im Ausstellungsraum eines Möbelhauses.

Der Service ist in Ordnung. Freundlich, relativ zügig, angenehm.

Etwas sparsam fand ich die Bezichnungen der offenen Weine: Zum Beispiel bei den weißen “Soave”, “Chardonnay”, “Pinot Grigio”, und noch einer. Kein Jahrgang, keine Region, kein Winzer angegeben. Hm.

Der offene Chardonnay war etwas enttäuschend, flach und wenig reizvoll. Den Soave, vom Nachbarn probiert, fand ich im Prinzip besser, aber ich bin kein großer Soave-Fan. Den “Wein des Tages” oder der Woche aber, ein sizilianischer Nero d’Avola, wenn ich mich recht erinnere, mochte ich gern. Er war kräftig und ausdrucksvoll und schön für den Rest des Abends,

Das Essen fand ich gut, Spinatsalat mit Speck (bei 8 Euro) und Spaghetti alla matriciana (bei 7 Euro). Ersterer allerdings mit erstaunlich vielen erstaunlich großen Speckscheiben, zweitere auch mit eher viel Speck; anscheinend gab’s den gerade irgendwo günstig. Aber geschmeckt hat es durchaus.

Hier kann man mal hingehen. Weit fahren würde ich dafür aber nicht; so richtig die Begeisterung für dieses Lokal kam dann doch nicht auf. (Wohl allerdings für die QCN. Es hat viel Spaß gemacht!)

Goodtime

Mittwoch, Oktober 3rd, 2007

Chausseestr. 1, 10115 Berlin

2 von 5 Punkten

Kürzlich war ich nach dem Umbau wieder im Goodtime.

Vorher fand ich es, obwohl etwas überladen mit asiatischem Dschungelkitsch, ganz nett und nicht unoriginell eingerichtet. Die Atmosphäre paßte zu dem sehr guten und ebenfalls etwas übertrieben dekorierten Essen. Das wären vier Punkte gewesen.

Jetzt ist es ganz anders.

Die Wand im Hintergrund ist zum größten Teil von einem riesigen Spiegel bedeckt. Die Seitenwände sind vollflächig mit bunten, sanften, abstrakten Schwüngen bemalt. Von der Decke hängen in der Mitte große weiße Kästen. Statt der dunklen hölzernen Tische und Stühle gibt es nur noch kleine weiße Kunststofftische und weiße Kunststoffstühle, die sehr nach Gartenmöbeln aussehen. Die Stühle schwanken ein bißchen hin und her, wenn man sich draufsetzt, und wirken instabiler, als sie tatsächlich sind. Der Raum ist deutlich halliger als vorher. Insgesamt ist die Atmosphäre _vollkommen_ anders als vorher. Kühl, technisch abstrakt, “schick”, mit 70er-Jahre-Reminiszenzen. Die Höhe des Raums wird betont.

Was hat die bloß geritten? Ich find’s furchtbar. Mir wirkt das kalt und ungemütlich, laut und anstrengend. Die Tische sind viel zu klein. Das Publikum ist, bemerkte mein Tischnachbar, “mittiger” geworden, mehr vom Yuppie-Schick von Mitte.

So mag ich es nicht mehr. Trotz des nach wie vor sehr guten (und überdekorierten) Essens mag ich nur noch zwei Punkte vergeben. Das soll soviel heißen wie “hier muß ich nicht mehr hin”.

Komische Oper

Freitag, Januar 12th, 2007

Behrenstr. 55, Berlin

5 von 5 Punkten

Natürlich gibt es viel berufenere als mich, über die Komische Oper zu schreiben. So ganz unkommentiert mag ich sie aber nicht stehenlassen.

Das überraschendste und schönste Erlebnis hatte ich hier, als im Herbst 2004 vor der Aufführung des Don Gionvanni der Intendant Andreas Homoki auf die Bühne trat und ganz gelassen, mit Charme und Humor erzählte, daß sich nicht nur die erste, sondern am selben Nachmittag auch die zweite Besetzung der Donna Anna krankgemeldet hatte. “Das ist der Moment, in dem der Intendant anfängt zu telefonieren…”

Er fand dann eine Sängerin, die die Partie der Donna Anna zwar singen konnte, aber nicht spielen, weil sie natürlich diese Inszenierung nicht geprobt hatte. Sie einfach mitspielen zu lassen ginge nicht, sagte der Intendant, weil die Inszenierung stark mit der Drehbühne arbeite und dadurch die Verletzungsgefahr zu hoch sei. Also habe man sich entschlossen, eine konzertante Aufführung zu geben.

Das klang zunächst mal etwas enttäuschend und langweilig, aber nun waren wir schon mal da… und dann wurde es ganz anders!

Zunächst mal gab es einen ganz interessanten Verfremdungseffekt, die Oper aufgeführt zu sehen von Damen in festlichen Abendkleidern und Herren im Frack. Dazu aber beschränkten sie sich mitnichten darauf, herumzustehen und zu singen, sondern die Inszenierung wurde sozusagen angespielt, die Handlung angedeutet oder teilweise auch richtig gespielt.

Dabei waren Teile klar als Elemente der eigentlichen Inszenierung zu erkennen, andere als improvisiert. Diese Mischung war ein ganz ungewöhnliches Vergnügen! Auch den Sängern machte dieses Agieren offensichtlich viel mehr Spaß als die normale, so oft gespielte Aufführung.

Großartig war die Ersatzbesetzung für die doppelt erkrankte Donna Anna: Eine Opernsängerin wie aus dem Bilderbuch, etwas füllig, wunderschön, mit intensiver Ausstrahlung und einem sprühenden Charisma. Auch sie spielte, so weit das Spielen eben ging, eifrig und mit offensichtlicher, großer Freude mit. Da sie, so der Intendant, sonst eine andere Textfassung des Don Giovanni sang, brauchte sie hier zum Singen ein Textbuch, das sie die ganze Zeit in der Hand behielt. Das gab dieser Aufführung noch mal eine weitere, leicht bizarre, aber sehr vergnügliche Note.

So etwas ist sicher auch für dieses Haus ungewöhnlich. Aber auch sonst habe ich die Aufführungen in der Komischen Oper sehr genossen, und auch, in den Pausen mit dem Sektglas in der Hand ein wenig durch dieses schöne Haus zu schlendern.