Posts Tagged ‘Neukölln’

Laika

Sonntag, Januar 11th, 2009

Emser Straße 131, Berlin

4 von 5 Punkten

Hach, hätte es mal früher so eine Kneipe in Neukölln gegeben! In den Achtzigern wäre ich hier bestimmt gut heimisch geworden.

Nach dem Essen in der Villa Rixdorf (siehe dort) wurden wir ex-Neuköllner noch auf einen Absacker ins Laika geführt, um auch das mal kennenzulernen. Das habe was. Und das hatte was, Party, Party, Party! Wir bekamen nicht heraus, in was für eine ausklingende Veranstaltung wir geraten waren, es könnte irgendein Märchenthema gewesen sein.

Das Publikum, mit im Schnitt wohl Anfang zwanzig etwa halb so alt wie wir, war zum großen Teil sehr liebevoll entweder mit richtigen Kostümen oder kleinen geschickten Acessoires als Tiere oder Märchenwesen verkleidet. Sehr sehenswert, und wir hatten großen Spaß daran, zu raten, was das jeweils darstellen sollte.

Das Lokal ist mit einfachen Mitteln recht ansprechend gestaltet. Ein Bühnen- und Tanzraum, ein Kneipenraum, und ein Raum mit Kicker bieten Platz und Abwechslung. Getränke gibt es am Tresen in Selbstbedienung, Platz für Tresentrinker ist nicht vorgesehen. Ist vielleicht auch nicht so notwendig, es scheinen sich ohnehin alle irgendwie zu kennen (bis auf uns alte, natürlich).

Die Preise sind günstig, die Atmosphäre freundlich chaotisch herzlich, das Ambiente irgendwie auch. Wenn ich auch nicht zum Zielpublikum gehöre, ist dies doch ein sehr sympathisches Lokal, und es geht ganz schön los hier! Ist nun Neukölln das neue Friedrichshain?

Villa Rixdorf

Sonntag, Januar 11th, 2009

Richardplatz 6, 12055 Berlin

3 von 5 Punkten

Schon vor längerer Zeit hörte ich mit Freude, daß in der schönen Villa am Richardplatz, die ich noch als Sitz der Baufirma Wöltinger kannte, ein Restaurant eröffnet hatte – leider lange nachdem ich aus der Gegend weggezogen war. Entsprechend war ich neugierig, hier mal herzukommen.

Die Villa Rixdorf erwies sich als ein ausgesprochen ordentliches Restaurant, der Gegend entsprechend nicht teuer. Dafür wird ein sehr guter Gegenwert geboten mit dezent, traditionell geschmackvoll und dabei unprätentios eingerichteten Räumen, freundlichem und aufmerksamem Service, und einer ordentlichen Küche. Das Angebot ist im wesentlichen moderner deutscher Mainstream, fast nichts herausragendes, aber jeder wird etwas finden können.

Herausragend ist die riesige Pizza mit einem Meter Durchmesser. Den hat sie wirklich! Die elf oder zwölf vorwiegend jungen Männer am Nachbartisch, die alle wie gute Esser wirkten, kamen mit zweien davon aus. Mit 15 bis 30 € je nach Belag ist diese Pizza auch noch sehr günstig.

Ganz ohne Tadel ist die Küche insgesamt nicht – der fritierte Blumenkohl war sehr fade, und das Wiener Schnitzel sah mit seinen vielen Falten in der Panierung aus wie ein Shar-Pei-Hund und war recht dick. Dennoch schmeckte es durchaus gut, wie bis auf den Blumenkohl die anderen Gerichte auch.

Die Weinkarte bietet eine ganz schöne Auswahl von offenen Weinen, zu meiner Verwunderung allerdings alle zum selben Preis. Hier könnte man, auch wenn es die Abrechnung komplizierter macht, etwas mehr differenzieren. Überraschend klein ist die Auswahl an Flaschenweinen. Hier müßte man sich doch etwas mehr Vielfalt leisten können, denn die werden ja nicht so schnell schlecht.

Daß der Kellner Chivas Regal für die Krone der Whiskys hält, mag man ihm an diesem Ort nachsehen. Immerhin gibt es einen, und auch Johnny Walker Black Label war, wenn auch nicht auf der Karte, zu finden.

Eigenartigkeit am Rande: Die Hintergrundmusik war offensichtlich ausschließlich als solche gedacht und nicht zum Hinhören – Big-Band-Tanzmusik in der Art von Hugo Strasser, gespielt in einer relativ kurzen Schleife von vielleicht einer halben oder dreiviertel Stunde.

Fazit: Ein Haus mit wirklich angenehmer Atmosphäre, ordentlichem Angebot und sehr gutem Preis-/Leistungsverhältnis, wo man gut mal essen gehen kann, wenn man in der Gegend ist. Extra dahinfahren würde ich ohne weiteres aber nicht, also drei Punkte.

Louis

Dienstag, November 20th, 2007

Richardplatz 5, 12055 Berlin

3 von 5 Punkten

Riesig sind sie ja, die Schnitzel im Louis. Begeistert war ich davon aber nicht sehr, denn die Qualität hielt der Größe nicht stand. Anderes, zum Beispiel der Vaterlandsspieß oder die Steyrische Tasche, gefielen mir deutlich besser, schön deftig, geschmackvoll, und immer noch ordentliche Fleischportionen.

Das Louis ist manchmal sehr voll und verraucht. Wen das nicht stört oder wer einen günstigen Moment abpaßt, kann hier gut deftig essen.

Nachtrag: Meiner Erinnerung nach standen sowohl Schweine- als auch Kalbsschnitzel auf der Karte, also auch ein “echtes” Wiener Schnitzel. Ist das nicht mehr so?

La Grappa

Donnerstag, Oktober 11th, 2007

Erkstr. 1, 12043 Berlin

4 von 5 Punkten

Dies ist nach meiner Erfahrung das beste italienische Restaurant in Neukölln, oder, anders gesagt, dieses gefällt mir wirklich. Sicher mit dafür verantwortlich ist die Tatsache, daß es wirklich von Italienern betrieben wird.

Das Essen ist erfreulich gut, die offenen Weine durchaus ordentlich, und das bei günstigem Preisniveau für die Qualität. Ausgesprochen gute Flaschenweine gibt es schon für relativ wenig Geld.

Trotz des Namens war ich von der Auswahl an Grappa überrascht – über 70 Sorten nach Aussage des Hauses. So konnte ich probieren, wie der gleiche Grappa in verschiedenen Altersstufen schmeckt: der junge ganz feurig, der alte mild und sanft.

Nachtrag, Oktober 2007: Das La Grappa ist geschlossen, hörte ich. Wie schade!

Ankerklause

Samstag, März 24th, 2007

Kottbusser Damm 104, 10967 Berlin

3 von 5 Punkten

Komisch, keiner der vorigen Beträge erwähnt den mir wichtigsten Fakt: Daß die Ankerklause von einer spießig-kitschig-überladenen Pinte zu einem Szenelokal wurde, deren Interieur sich zwar nicht wesentlich verändert hat, aber von Betreibern und Publikum mit leiser Ironie bedacht wird.

Mein Stil ist es nicht ganz (mir leicht mal zu laut und zu voll, der Rauch stört mich ja nicht so), aber ich mag diese Dissonanz zwischen Seemannskitsch und Kreuzberger Szene.

Café Rix

Freitag, Dezember 22nd, 2006

Karl-Marx-Str. 141, 12043 Berlin

4 von 5 Punkten

Der Saal ist das schönste im Café Rix, groß, hoch, mit sehr schön restauriertem Stuck. Er ist leider manchmal auch das störendste: Durch die großen flachen Wände kann es sehr laut werden, wenn das Café voller wird.

Der Service ist wechselhaft, von den einzelnen Personen und der Tagesform abhängig, meistens aber durchaus ordentlich.

Die Küche hat mir, anscheinend anders als anderen, immer gut gefallen. Das Angebot ist mit der wechselnden Tageskarte abwechslungsreich, teilweise originell, die Zubereitung sorgfältig, das Resultat gut und wohlschmeckend. (Meine Beobachtungen sind allerdings eine Weile her.)

Das Angebot an Zeitschriften lädt auch einzelne dazu ein, hier einfach mal etwas Zeit zu verbringen. Vor allem die Polsterbänke an den Wänden sind dazu durchaus bequem genug.

ASA 90

Donnerstag, Dezember 21st, 2006

Fuldastr. 55, Berlin

4 von 5 Punkten

ASA 90 handelt mit gebrauchten Kameras (vor allem Foto, aber auch Film) und Zubehör. Neben wirklich schönen alten Geräten gibt es auch neuere, die durchaus heute noch gut zu gebrauchen sind – allerdings aus der vor-Autofokus-Zeit. Die Auswahl ist nicht riesig, aber durchaus einen Blick wert. Ich sah hier schon einmal eine Kamera zu genau dem Preis, zu dem ich das gleiche Modell gerade vorher woanders erworben hatte, aber in deutlich besseren Zustand.

Kropp

Donnerstag, Dezember 21st, 2006

Karl-Marx-Str. 82, 12043 Berlin

4 von 5 Punkten

Früher war ich oft hier. Als ich gestern nach langer Zeit mal wieder an Kropp vorbeikam, ärgerte ich mich, daß ich gerade vorher schon etwas gegessen hatte – und ausgerechnet Fisch.

Kropp war für mich nämlich früher vor allem die Anlaufstelle für frisch gebratenen Fisch, im Stehen zu essen – ein Filet vom Seelachs, von der Scholle oder einer der anderen Sorten, dazu eine Portion der vorzüglichen, selbst hergestellten Kartoffelsalate. Und einen Becher Milch!

Aber das ist nur ein Teil des ganzen. Fisch gibt es auch frisch, in großer Auswahl, Besonderheiten auf Bestellung. Dazu viele Salate, darunter die genannten Kartoffelsalate, aber auch diverse Krabbensalate, und was es eben sonst noch so gibt.

Eine Auswahl interessanter Würste gibt es, Käse, Brot, ein bißchen Wein und Sekt, aber wirklich lohnen tut sich der Besuch für den Fisch, sei er frisch oder frisch gebraten.

Sandmann

Donnerstag, Dezember 21st, 2006

Reuterstraße 7, 12053 Berlin

4 von 5 Punkten

Kaffee gibt’s im Sandmann auch, aber ich glaube, es wird doch mehr Bier getrunken. Das Getränkeangebot ist nicht ohne Reiz, wenn auch eher kneipentypisch; dazu gibt es Snacks. Das Publikum ist stärker intellektuell geprägt als sonst in Neuköllner Kneipen üblich, aber immer noch gemischt.

Wenn man sich, wie es die meisten tun, an einen der Tische setzt, ist der Sandmann eine Kneipe, in die man gut mal mit Freunden gehen kann, weil sie günstig gelegen ist und weil einem die einfache, aber liebevolle Atmosphäre gefällt.

Kommt man aber allein und setzt sich an den Tresen, kann es durchaus sein, daß man in nette Gespräche oder aberwitzige Diskussionen verwickelt wird, je nach Zusammensetzung und Tagesform des Publikums, und viel später erst wieder nach Hause findet als eigentlich beabsichtigt. Das gilt nicht nur für “die, die immer hier sitzen”, sondern auch (vorher) Fremde werden schnell aufgenommen, wenn sie etwas kontaktfreudig sind.

Häufig gibt es Musikveranstaltungen, zum Beispiel “Blue Monday”, eine offene Blues-Session jeden Montag, aber da bin ich nicht auf dem neuesten Stand.

Rixdorfer Weihnachtsmarkt

Freitag, Dezember 15th, 2006

Richardplatz, 12055 Berlin

4 von 5 Punkten

Dieses Jahr habe ich ihn schon wieder verpaßt, so ein Ärger – es war doch einfacher, als ich noch direkt um die Ecke wohnte. Aber es klappt einfach nicht immer am Wochende des zweiten Advent.

Der Rixdorfer Weihnachtsmarkt ist aus meiner Sicht der einzige, auf den es sich wirklich zu gehen lohnt. Die nahezu durchweg nichtkommerziellen Standbetreiber machen die Atmosphäre viel angenehmer als auf den normalen Weihnachtsmärkten.

Die Stände bieten alles mögliche an, von Speisen und Getränken über selbstgebasteltes Spielzeug bis zu antiquarischen Büchern, so manches Geschenk habe ich dort auch schon erworben. Highlights sind für mich der Stand der koreanischen Krankenschwestern mit leckerem Feuerfleisch und Gemüsepuffern und, im wörtlichen Sinn, der Platz, an dem das THW die Petroleumlampen neu befüllt, weil das Licht dort so schön ist.

Nur vier Sterne statt fünf vergebe ich deswegen, weil es manchmal ganz furchtbar voll ist. Da macht es dann nicht mehr viel Spaß.